News

Laboratorium Material <> Digital

Ausgehend von den in der HKB fachbereichsübergreifend bedeutsamen Begriffen «Material» und «Materialität» behandelt das Laboratorium «Material <> Digital» die Transformationsprozesse von Material in den digitalen Raum und zurück. Damit betrachten und analysieren wir die Übergänge, die Momente der unmittelbaren Berührung von Material und Digital und fragen nach deren Nähe. Die Vortragsreihe zum Laboratorium behandelt die Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven:

Laboratorium Material <> Digital

Die Rache des Materials - Interpretationsforschung zwischen digitaler Wunschvorstellung und analoger Realität

Mittwoch 15. März 2017

17:00 Uhr, Auditorium an der Fellerstrasse 11

Manuel Bärtsch und Sebastian Bausch (Hochschule der Künste Bern)

Die musikalische Interpretationsforschung erlebt seit einiger Zeit einen internationalen Boom. Akustische Aufnahmen oder pneumatisch aufgezeichnete Klavierrollen waren für Musiker schon immer eine Inspirations- und Irritationsquelle, deren wissenschaftliche Auswertung jedoch schwierig, unsicher und mühselig war; mit den Fortschritten der Computertechnik sind nun aber praktische, präzise und einfach zu handhabende Analysetools für den Hausgebrauch entstanden, die die Forschungssituation grundsätzlich geändert haben. Diese Werkzeuge verwandeln ein Interpretationsdokument in eine messbare Datensammlung, deren Analyse naturwissenschaftliche Präzision und Autorität verspricht. Die Erfahrung zeigt nun aber zwei widerstrebende Erkenntnisse: einerseits ist dieser Anspruch an Genauigkeit und Verbindlichkeit zentral für die Erforschung von musikalischer Interpretation ‒ andererseits aber scheint die Vorstellung einer digitalen Reinheit der Analyse eine Illusion zu sein, da sich die Objekte in ihrem materiellen Eigensinn dagegen wehren. Manuel Bärtsch und Sebastian Bausch interviewen sich gegenseitig über den Umgang mit der heimtückischen analogen Resistenz in ihren Forschungsvorhaben.

[ digimorphé ] – Digitales Handwerk

Mittwoch 22. März 2017
17:00 Uhr, Auditorium an der Fellerstrasse 11

Consuelo Keller (Zürich, http://www.digimorphe.com)

Als digitale Handwerkerin erkundet Consuelo Keller mit ihrem Label [ digimorphé ] Gebiete wie kreatives Programmieren, parametrisches Design sowie digitale Herstellungstechniken, und verbindet diese Verfahren mit handwerklichen Praktiken. Sie lotet die Möglichkeiten der digitalen Werkzeuge aus, um im Dialog mit unterschiedlichen Materialien Schmuck und Objekte herzustellen. Auch rückt sie insbesondere das Programmieren als Entwurfsinstrument ins Zentrum ihrer Arbeit und interessiert sich für das Spannungsfeld, das entsteht, wenn Aneinanderreihungen von digitalen Nullen und Einsen zu Materie werden. In ihrem Vortrag wird Consuelo Keller Einblick in die Praxis von [ digimorphé ] vermitteln und diese vor dem Hintergrund der Thematik des Laboratoriums „material><digital“ reflektieren.

72HORAS RIO Film Festival – Rio de Janeiro, Brazil

Mittwoch 19. April 2017

17:00 Uhr, Auditorium an der Fellerstrasse 11

Nicole Freeman (Rio de Janeiro, http://www.72horasrio.org)

The 72HORAS RIO Film Festival is an audiovisual project based in Rio de Janeiro. It aims to democratize cinematic access within the city, linking creatives of all demographics with production and exhibition opportunities via a challenge to produce a short film within 72 hours. The rules are simple: all scriptwriting, filming and editing must be completed during the 72 hour festival deadline. 72HORAS RIO is an intensely participative experience as adrenalin-driven film crews occupy central Rio and over three days of collaborative creation, the material city transitions into digital reflections the participants’ concerns and desires. Screenings of the final productions transform once again the digital to material, as the participants witness their local environment and creative vision projected back from the festival screens. Within its first three years, the project has instigated the production of 200 short films produced by 3767 young filmmakers and via a series of audiovisual workshops and film screenings, the festival has reached a public of more than 12,000 people.

Textile Interfaces im Alltag

Mittwoch 03. Mai 2017

17:00 Uhr, Auditorium an der Fellerstrasse 11

Katharina Bredies (Universität der Künste Berlin)

Ein Comeback des Materiellen?

Montag 29. Mai 2017
18:00 Uhr, Hammerwerk-Areal, Schmiedeweg 9, 3048 Worblaufen

Der Vortrag findet im Rahmen der Werkschau des Laboratoriums statt
Eduar Kaeser (Bern)

Unsere Umwelten werden immer „immaterieller“, in dem Sinne, dass sich in einer globalen Telesphäre zunehmend körperlose Umgangsweisen etablieren. Die simulierten Welten, welche uns die neuen Technologien anbieten, modulieren unseren althergebrachten Alltagswelten auf, transformieren sie. Dadurch erodieren herkömmliche Erfahrungsformen. Die „materielle“ Welt als Inbegriff von direkt, am eigenen Leib erfahreneren Dingen, Menschen, Ereignissen, kommt uns umso mehr abhanden, als wir sie uns im gleichen Zug als „immaterielle“ Information zu Gemüte führen. Man denke nur daran, wie viele von uns heute schon halbwegs zu Schnittstellenwesen mutiert sind, verschaltet in eine Matrix aus Handys, Pagers, Laptops, Monitoren und Displays. Online-Aktivitäten und -inter¬aktivitäten sind längst zum Standard einer technisch avancierten Lebensform geworden. Könnte es sein, dass sich mit der Wiederentdeckung des Analogen auch eine Sehnsucht nach der „handgreiflichen“ Welt äußert? Dass wir uns unserer „Beschränktheit“ bewusst werden? Und wie ließe sie sich überwinden?